Warum es gut ist, aus manchen Fehlern nicht zu lernen

herzrocker.de - aus Fehlern nicht lernen

Es gibt so Dinge in meinem Leben, die scheinen immer mal wieder schief zu gehen. Ich habe das Gefühl, ich lerne einfach nicht aus meinen bisherigen Erfahrungen. Mit Anfang zwanzig waren es Auslandsaufenthalte, mit Mitte zwanzig Praktika und Ortswechsel, in den letzten Jahren das ein oder andere Projekt in der Selbstständigkeit…

Natürlich gibt es Projekte, die gut funktionieren. Doch oft genug habe ich das Gefühl, auf die Nase zu fallen. Es klappt einfach nicht so, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe.

Zum Beispiel hat mich mein dreiwöchiger Schüleraustausch in der 10. Klasse so sehr für Auslandsabenteuer begeistert, dass ich nach der Schule unbedingt ein Jahr nach Frankreich wollte. Dass dort auch Alltag auf mich wartet und ein so langer Aufenthalt fern von daheim überhaupt nicht mit einem Kurztrip vergleichbar ist, habe ich schlichtweg ignoriert. Auch Praktika, deren Tätigkeiten sich bei weitem nicht mit meiner Vorstellung deckten, habe ich während des Studiums mehrfach ausprobiert.

Ich hatte den Eindruck, vor allem an zwei Dingen immer wieder zu scheitern.

Das eine ist meine Naivität.

Generell halte ich mich für einen lebenserfahrenen, realistischen Menschen. Doch wenn es um neue Projekte geht, kann ich unheimlich naiv sein. Wenn ich eine Chance wittere, setze ich meine rosarote Brille auf und male mir in den schillerndsten Farben aus, wie schön es wird, wenn… Meine Fantasie blüht dann so richtig auf.

Das andere ist mangelnde Vorbereitung.

Mich mit möglichen Hindernissen und ungeplanten negativen Nebenwirkungen zu beschäftigen, liegt mir nicht. Darüber mache ich mir einfach keine Gedanken. Ich treffe keine Vorkehrungen, was sein könnte, wenn dieses oder jenes schief geht. Einen Plan B mache ich erst recht nicht.

Beides in Kombination führt dazu, dass schon Plan A meistens nicht ausgereift ist, weil er nicht alle Aspekte berücksichtigt. Wenn ich überhaupt Für und Wider abwäge, dann überlege ich, was dafür spricht, es zu tun, und was dagegen spricht, es zu lassen. Fast immer lege ich einfach los. Manches gelingt, manches entpuppt sich als voll doofe Idee. Meistens pendelt die Realität zwischen beiden Polen hin und her. Nur selten flutscht es so, wie in meiner Fantasie.

Ich habe mir oft gewünscht,…

…ich würde endlich daraus lernen! Mich im Vorfeld mehr informieren. Mir überlegen, was anders sein könnte als in meinen kühnen Träumen. Mich mit Leuten unterhalten und mir anhören, welche negativen Aspekte, welche Hürden und Herausforderungen es geben könnte. Und es dann nochmal überdenken: Will ich das wirklich? Wird es so funktionieren, wie ich es mir denke? Was mache ich, wenn es anders läuft?

Um ehrlich zu sein, ich liebe Pläne! Ich mache total gerne welche. Ich mag es, eine Idee zu haben, wohin die (sprichwörtliche) Reise gehen soll. Menschen, die mir nahestehen, halten mich durchaus für gut organisiert und für jemanden, der gerne vorbereitet ist. Und trotzdem. Warum klappt es nicht, wenn es an neue Projekte und Herausforderungen geht? Warum gewinnt dann die unüberlegte Arglosigkeit gerne mal überhand? Warum sind die Pläne dann nur rosarot?

Lange Zeit habe ich gedacht, ich würde einfach nicht aus meinen Erfahrungen lernen. Und ich habe mich immer wieder geärgert, wenn ich im Vorfeld Für und Wider nicht gründlich abwägt habe. Es hat lange gedauert, bis ich meine Naivität und die Impulsivität ohne Vorbereitung umarmen und als Freundinnen begrüßen konnte. Sie beschenken mich mit einer ganzen Reihe toller und z.T. außergewöhnlicher Erlebnisse ohne die mein Leben vermutlich ganz schön langweilig wäre.

Inzwischen weiß ich…

…ich kann mir vertrauen. Wenn schwierige Situationen – die sich meist eh schlecht planen lassen – auftreten, kann ich sie meistern. Ich finde einen Weg. Wenn es nicht der geplante wird, suche ich mir einen anderen. Ich bin spontan und flexibel. Es tut weh, wenn Träume zerplatzen, ja. Manchmal sogar eine ganze Weile. Und irgendwann komme ich damit klar. Es kommen neue Gelegenheiten, neue Träume, Wünsche, Ziele und Hoffnungen.

Meine Naivität ist eng verknüpft mit meiner Begeisterungsfähigkeit. Und die ist eine Gabe, die ich nicht verändern, sondern behalten will. Sie bereichert mein Leben, immer wieder aufs Neue. Außerdem bin ich kreativ. Irgendwie geht’s. So oder anders. Ich habe gelernt, lösungsorientiert zu denken. Wenn nicht so, wie dann? Ich finde meinen Weg.

Mittlerweile bin ich froh darüber

Auch wenn ich manches Mal im Leben gestolpert bin. Heute kann ich mir verzeihen, wenn ich mich Hals über Kopf in ein Projekt gestürzt habe, dessen Umfang ich nicht absehen konnte. Wenn Hindernisse aufgetaucht sind, die es echt zu einer sch*** Idee machen. Und ich tue es trotzdem, immer wieder. Die Chancen sind einfach zu verlockend.

Das macht das Leben aus! Wag es, auch wenn es schief gehen könnte! Du weißt eh nicht, was passieren wird, bevor du es tust.

Der Weg entsteht beim Gehen. Das ist momentan mein ganz bewusstes Credo. Davon berichte ich dir hier.

Wann hast du mal etwas wider besseren Wissens und früherer Erfahrung getan? Und wie ist es dir damit gegangen? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Falls du dir mehr Mut wünschst, deinem Herzen zu folgen, das „ja“ sagt, und nicht zu sehr auf deinen Verstand zu hören, der „nein“ sagt, dann freu dich schon mal auf den Herbst. Ich plane ein Mutprojekt! Für beherzte Frauen, die mehr aus ihrem Leben machen wollen.

4 Comments on “

  1. Liebe Merve,
    ich kann sehr gut nachvollziehen wie du dich in einer solchen Situation fühlst. Ich kenne einige Menschen, die jedes Projekt akribisch vorbereiten und auf sämtliche Hindernisse stoßen. Auf diese Ideen, sich darum zu kümmern, würde ich gar nicht erst kommen. Und das ist gut so: denn sonst würde ich gar nicht erst beginnen!!! (aus lauter Angst).
    Mittlerweile weiß ich, dass ich Wege gehen muss, um zu erkennen ob sie gut für mich sind oder nicht, denn ich weiß ganz genau, dass mir die Sachen weiter im Kopf rum spuken, wenn ich sie nicht ausprobiere. Und ich weiß, dass diese Energien negative Auswirkungen auf mich haben.
    LG

    1. Liebe Monika,
      Stimmt – wenn ich die erste Challenge so akribisch vorbereitet und alle Hindernisse vorab gesehen hätte, dann hätte ich vermutlich nie eine Challenge durchgeführt. Und jetzt läuft schon die zweite… 🙂
      Wie schön, dass du für dich erkannt hast, dass du die Wege gehen und somit ausprobieren musst. Das trifft auch meine Erfahrung, wie ich in einem anderen Blogartikel geschrieben habe.
      Super erkannt, dass die ungelebten Projekte sonst weiter im Kopf rum spuken und eine negative Energie ausstrahlen! Das kann ich bestätigen. Ständig schwirrt dann so ein „ich könnte doch…“ und „wenn ich endlich…“
      Mein Tipp: Machen, einfach mal machen. Dann schauen, was funktioniert und was nicht. Was sich gut anfühlt und was nicht. Und dann den Weg anpassen. Schritt für Schritt. So mache ich es momentan mit meinen Projekten. Immer wieder Feedback einholen und den Kurs korrigieren.
      Gute Kraft und Energie für deine Wege liebe Monika!
      Liebe Grüße, Merve

  2. Liebe Merve,
    ein wunderbarer erster Artikel! Kritisch, wohlwollend und freundlich Dir selbst gegenüber, Blickrichtung: Wie es immer besser und besser wird….
    Deine Bilder sind genial!

    1. Liebe Elke,
      vielen Dank für deine lieben Worte! Es freut mich, dass dir der Artikel und die Bilder gefallen ?
      „Freundlich mir selbst gegenüber“ – da zeigt der Kurs „werde dir selbst ein besserer Freund“ wohl Wirkung, yeah! ?
      Liebe Grüße
      Merve

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