Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen

(Franz Kafka)

herzrocker.de -Wege entstehen dadurch dass wir sie gehen

Ich gebe zu: Als die Challenge „Werde dir selbst ein besserer Freund“ im Juli startete, hätte ich gerne alles von A bis Z geplant UND vorbereitet gehabt. Hatte ich aber nicht. In den Wochen davor gab es ein Projekt nach dem anderen und so blieb der Wunsch, alle Texte geschrieben zu haben, ein Wunsch. Auch mit der Technik war noch nicht alles klar. Es war die erste Challenge, die ich ausgerichtet habe, und damit betrat ich Neuland.

Doch ich hatte den Start angekündigt und es hatten sich über 40 Teilnehmer angemeldet.

Verschieben war keine Option für mich

Denn wenn ich ehrlich zu mir war: Hätte ich den Termin verschoben, bis ich alle Texte geschrieben und die Technik komplett eingerichtet hatte – wer weiß, ob die Challenge dann jetzt, Mitte August, schon gestartet wäre? Ich bezweifle es.

Wie lange habe ich damit gewartet, meinen Blog zu starten? Lange. Überall hatte ich gelesen, ich sollte erst 3-5 Texte geschrieben haben und am besten auch noch einige „in der Schublade“, damit ich sie in kreativen Tiefphasen oder bei zeitlichen Engpässen nur hervorholen bauche. Nur kam ich aber in den letzten Wochen und Monaten aufgrund anderer Dinge nie dazu, so viele Texte zu schreiben. Also schob ich den Blog-Start vor mir her.

Genauso hatte ich schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine Challenge anzubieten. Und nun wollte ich sie machen und nahm in Kauf, dass noch nicht alles fertig und vor allem nicht perfekt war. Keine weiteren Aufschübe mehr. Manchmal ist es gut, einen Starttermin zu verkünden und sich somit zu verpflichten. Immerhin gab es eine gute Grundlage:

Ich hatte einen Fahrplan

Schon zu Beginn meiner Überlegungen hatte ich mir eine Mindmap gemacht, welche Übungen ich anbieten wollte und in welcher Reihenfolge. Auch über den zeitlichen Ablauf und den organisatorischen Rahmen hatte ich mir Gedanken gemacht. Damit war die grobe Richtung festgelegt.

Außerdem wusste ich genug über die Technik, dass ich zuversichtlich war, die restlichen Hürden bei Einrichtung von Mailversand und Forum auch in kurzer Zeit zu meistern. Und ich hatte in den kommenden drei Wochen, die die Challenge dauern sollte, wenig andere Termine. Es gab also genügend Freiraum, mich in Ruhe der Challenge widmen zu können.

Also habe ich einfach losgelegt

Der Start rückte näher und näher. Als es los ging, hatte ich gerade einen Text fertig: Den für den ersten Tag. Die Technik für den Mailversand war geklärt, sehr gut. Mit dem Forum gab es jedoch noch Unklarheiten. Ob ich nervös war, trotzdem zu starten? Und ob! Doch ich schon die kleine Stimme in meinem Kopf beiseite, die mir ein schlechtes Gewissen machen wollte. „Hättest du mal schon letzte Woche…!“ Hatte ich aber nicht. Egal.

„Arbeite mit dem, was du hast“

sagte ich mir und verschickte die erste Mail. Dann machte ich mich daran, das Forum zum Laufen zu bekommen. Das ging dann auch und am zweiten Tag teilte ich den Teilnehmern den Login mit. So weit, so gut.

Und dann kamen sie. Die Mails. „Ich komme nicht ins Forum.“ Verdammt! Wieder kam die Stimme: „Hättest du mal…“ Hatte ich auch. Als das Forum stand, habe ich fleißig rumprobiert und mich mit einem Test-Zugang als normaler Nutzer angemeldet. Funktionierte! Ich habe einen Beitrag geschrieben und auch das ging. Vermutlich lag es an irgendwelchen Cookies oder anderen kleinen Feinheiten, weshalb sich der Login von anderen PCs nicht so einfach gestaltete. Da nutze auch stundenlanges Testen am eigenen PC nichts.

„Bleib locker, du findest einen Weg!“

Durchatmen. Freuen: Ich hatte an diesem Tag keine anderen Termine, die ich nicht verschieben konnte. Ausprobieren, verändern, wieder ausprobieren. Emails beantworten, um Geduld bitten, erklären, entschuldigen. Ein wenig Freude: Die meisten nehmen es gelassen. „Ist wohl die erste Herausforderung, mh?!“ Weitere Freude: Eine Freundin bot Hilfe an und testete fleißig als externe Nutzerin. Danke! Fehlerursachen wurden klarer.

Ich bastelte eine Anleitung, wie es mit dem Login ins Forum klappt. Testete ALLE Gastzugänge. Funktioniert! Aufatmen. Zurücklehnen, Pause machen. Neue Email: Auf Arbeit hatte der Login geklappt, Zuhause nun wieder nicht. Schnaufen, Haare raufen, wieder durchatmen und weitermachen. Weitere Emails beantworten. Am Ende des Tages hatte ich eines begriffen:

Ich hätte nicht alles absehen können

Egal, wie viel ich daheim getestet hätte – einige Probleme bei den Nutzern hatte ich nicht vorher sehen können. Sie wurden erst bei der „Feuerprobe“ ersichtlich. Das brachte auch diese innere Stimme zur Ruhe. Ich hätte eben nicht alles vorher testen und klären können.

Und ich merkte, ich konnte gelassen bleiben. Unperfekt ist menschlich. Den ganzen Tag über habe ich gemacht und getan. Es war anstrengend, ja, weil es mich herausforderte. Und gleichzeitig machte ich mich nicht wild. Ich war zuversichtlich, dass ich Lösungen finden würde. Liebe, verständnisvolle Mails der Teilnehmerinnen machten mir Mut. (Danke an euch!)

Ich nutze den Prozess

Das Schöne daran ist, dass ich die aktuellen Ereignisse direkt mit in meine Mails einbinden konnte. Es machte mir Spaß, die Technik weiter zu verbessern und die Texte an die TeilnehmerInnen im Prozess zu schreiben. So fühlte ich mich viel mehr mitten im Projekt, als hätte ich vorher alles vorbereitet gehabt. Und ich konnte spontan auf das reagieren, was passierte, statt es später noch irgendwie in die Texte zu pressen.

Weil es so gut geklappt hat, habe ich beschlossen, mit meinem Blogaufbau ebenso zu verfahren. Einfach loszulegen, statt zu warten bis ich gut vorbereitet und „fertig“ bin.

Die Grundzutaten, die mir helfen

Der grobe Fahrplan: Was will ich wann machen? Weshalb? Und vor allem: Für wen?

Mut und Zuversicht: Ich werde es schaffen. Grundlegendes Wissen ist da, den Rest meistere ich, wenn es ansteht.

Wissen und Erfahrung: Das, was ich durchführen will, kenne ich. Ich habe eine Grundlage, auf die ich aufbauen kann.

Helfer: Zum Beispiel für die Technik bzw. für die Bereiche, in denen ich mich nicht so gut auskenne.

Flexibilität: Was auch immer ich plane, es wird eh nicht so geschehen, wie ich es mir vorher denke. Macht nichts. Ich bahne mir meinen Weg.

Wenn ich genauer drüber nachdenke, ist das Leben voller Beispiele, wo wir etwas begonnen haben, ohne den genauen Weg oder den Ausgang zu kennen. Schule, Studium, Auslandsreisen, Praktika, Beruf – wo wusste ich denn vorher wirklich, wie es werden würde?

Jetzt beginne ich, es mir bewusst zur Philosophie zu machen und mir dadurch die Scheu vor dem Anfang zu nehmen. Der Weg entsteht dadurch, dass ich ihn gehe…

6 Comments on “

  1. Liebe Merve,
    du sprichst mir aus der Seele! Den richtigen Zeitpunkt gibt es in Wirklichkeit meiner Meinung nach nicht, denn wichtig ist der erste Schritt und was man daraus macht. Und um den ersten Schritt gehen zu können benötigt man viel MUT, um seine Angst zu überwinden.
    Denn da wo die größte Angst liegt, befindet sich der eigene Weg!
    Also: LOS!

    1. Liebe Monika,
      danke für deinen Kommentar!
      Ja, der erste Schritt ist entscheidend. Zu starten braucht mehr Energie, als in Bewegung zu bleiben. Das ist auch beim Rad oder Auto fahren so.
      Nicht immer muss ich Angst überwinden – manchmal ist es auch einfach Faulheit 😉 Oder Unwissenheit, wie es nun geht. So oder so, nur tun hilft und bringt uns weiter.
      Momentan mache ich auch oft die Erfahrung, dass zu viel drüber nachdenken nicht hilft. Im Gegenteil, oftmals werden Angst und Zweifel dann eher noch größer. Nicht jede Blockade muss durchdacht, erkundet, und aufgelöst werden, um sich auf den Weg zu machen. Manche Hürden verschwinden dann auch einfach oder erweisen sich zumindest als wesentlich kleiner als gedacht.
      In diesem Sinne: Viel Mut und gutes Gelingen für deinen Weg!
      Liebe Grüße, Merve

  2. Wie wahr!!!
    Im Frühjahr 2016 beschloss ich:
    Die nächste Heizperiode will ich nicht mehr in dieser Wohnung mit Holz- und Kohleöfen wohnen.
    Also legte ich einen Termin mit meiner Mama und meiner Schwester fest, an dem sie mich besuchen würden um mir beim Einräumen der Schränke und Regale zu helfen.
    Alles davor … Wohnungssuche, Besichtigungen, Entscheidungen, Ausmisten, Packen, … musste davor gelaufen sein.
    Das war mein Ansporn. Und so erzählte ich es auch Monate vorher: Mitte August ziehe ich um. … Mein Umfeld fragte gleich: Wohin denn? Keine Ahnung! Dresden, München, Gotha … wo mein Mann vielleicht andere Arbeit findet.
    Meine gute Freundin schüttelte mehrmals den Kopf und bat mich drum doch auf dem Teppich zu bleiben, wenn ich von der neuen Wohnung schwärmte. Sie meinte immer: Du hast doch noch gar nichts in Aussicht!
    Aber das „Hoffen auf Veränderung“ hat mich angetrieben.
    .
    Nun sitze ich hier, in Gotha, auf dem Balkon meiner neuen Wohnung in der 3. Nacht, die wir nun schon hier leben. Zwar noch mit Minimalbesetzung unserer Habe, den gr. Küchengeräten und unseren Betten.
    Aber am Di., 23.8. kommen meine Mama und Schwester und zu Ende Sept. haben wir die alte Wohnung gekündigt.
    Hätte ich erst alle Kartons gepackt haben wollen, säßen wir immer noch auf unverpackten Sachen.
    Es war gut so, diese Veränderung meines Wohnverhältnisses anzugehen.
    Danke, Merve. Dein Artikel ist für mich eine Bestätigung, dass es auch gut ist einer Hoffnung zu vertrauen und damit zu arbeiten.

    1. Liebe Lissy,
      da hast du ja schon längst gelebt, was ich in meinem Artikel beschrieben habe. Wundervolles Beispiel, wie es funktioniert. Danke!
      Ich wünsche dir und euch viel Freude und eine gute Zeit in der neuen Wohnung!
      Heute ist der Zeitpunkt, den du im Frühjahr festgelegt hast. Ein toller Tag, solche Vorhaben umzusetzen, oder? Ich freue mich für dich!
      Liebe Grüße
      Merve

  3. Hallo Merve!
    Deine Grundzutaten finde ich gut. Vor allem gefallen mir „Mut und Zuversicht“ und „Flexibilität“. Darüberhinaus braucht es manchmal auch zähes Durchhaltevermögen (wenn Schwierigkeiten auftauchen). Da schmeiße ich bisher leider oft das Handtuch.
    Dann ist da noch der richtige Zeitpunkt. Es nützt nichts, auf Teufel komm raus ein Vorhaben über das Knie zu brechen. Die Zeit muss reif sein für ein Vorhaben.
    Im Großen und Ganzen glaube ich auch, dass es wichtig ist, den ersten Schritt zu machen, auch wenn man noch nicht weiß, wie es genau weitergeht. Ansonsten sitzt man in 10 Jahren immer noch an der selben Stelle.
    Viel Erfolg wünsche ich Dir weiterhin auf Deinem Weg!

    1. Liebe Anke,
      vielen Dank für deine Worte! Ja, Durchhaltevermögen ist auch ein wichtiger Punkt, definitiv!
      Denn es sind auch oft die Phasen, in denen wir die „Zähne nochmal so richtig zusammen beißen“, in denen wir über uns hinaus wachsen und uns weiterentwickeln.
      Danke, dir auch alles Liebe und viel Erfolg für deinen Weg!
      Merve

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