Wenn du mehr gehört werden willst, rede weniger!

Herzrocker.de - weniger reden mehr gehoert werdenNeulich, im Workshop: Eine Kollegin versuchte immer wieder, sich einzubringen. Doch die Kollegen verdrehten genervt die Augen und schalteten sichtlich ab. Ihre Strategie, damit umzugehen: Mehr reden. Doch je mehr sie sagte, desto weniger hörten die anderen zu.

Ich fühlte mit beiden Seiten. Mit ihr, die so gerne gehört werden wollte und um Aufmerksamkeit kämpfte. Und mit den Kollegen, denen es zu viel war.

Meistens merken wir, wenn unsere Worte nicht ankommen. Wer zu den Menschen gehört, die gerne mehr reden, etwas lieber noch mal deutlich machen oder weiter ausführen, der kennt die Reaktionen anderer. Die Strategie ist dann meistens die, noch mehr in die Vollen zu gehen.

Was passiert, wenn du in solchen Situationen immer mehr redest?

  • Deine Kernbotschaft wird unklar. Je öfter du dich wiederholst und mehr du versuchst, deine Worte zu erklären, desto größer wird die Gefahr, das Gesagte zu verwässern. Irgendwann ist unklar, was denn nun die zentrale Botschaft ist. Besser, du beschränkst dich auf den Kern der Sache.
  • Aus einem Dialog wird ein Monolog. Dein Gesprächspartner fühlt sich selbst nicht gesehen. Je höher der eigene Rede-Anteil, desto weniger hat der andere die Chance, seine Meinung und Ideen einzubringen. Doch nur der Dialog bringt einen richtigen Austausch. Wer das Gefühl hat, dass der andere immer nur redet, fühlt sich nicht ernst genommen oder ist im Extremfall genervt.
  • Es wird anstrengend für den anderen, zuzuhören und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Zu viele Informationen auf einmal zu bekommen, ist ermüdend. Wenn dann noch Zwischenrufe und unwichtige Randkommentare dazu kommen, gilt das besonders. Nimm lieber Rücksicht und melde dich dann zu Wort, wenn du etwas Wichtiges zu sagen hast.
  • Der Gegenüber mag nicht mehr zuhören und schaltet ab. Manchmal ist man einfach „dicht“. Es kann sein, dass dem anderen die Informationsflut eines Meetings – oder des Tages allgemein – zu viel war. Es kann aber auch sein, dass Menschen deines Umfelds schon ein wenig „allergisch“ reagieren. Egal, was der Grund ist: Wenn das Gegenüber abschaltet, kommt eh nichts mehr an.
  • Das Gespräch kann zum Machtkampf werden. Auch das kann passieren. Ab einem Punkt geht es dann nicht mehr um die Sache selbst, sondern nur noch darum, dass eine Seite unbedingt Gehör finden will und die andere Seite nur noch Schweigen „hören“ will. Je mehr der eine sagt, desto weniger hört der andere zu.

Eins ist klar. Wenn du dich in so einer Situation darauf versteifst, noch mehr zu reden und zu erklären, wird dein Gegenüber höchstwahrscheinlich immer mehr „zu“ machen. Viel hilft hier nicht viel, im Gegenteil!

Aber was kannst du tun, wenn der andere partout nicht zuhören will?

Wenn du bemerkst, dass du gerade mehr sagst als der andere aufnehmen kann oder will, halte inne. Beende deinen Satz, atme durch und schweige. Durchbreche dein Muster, immer noch mehr sagen zu wollen. Probiere etwas anderes aus: Rede weniger. Was dabei hilft?

Innehalten, wenn es soweit ist:

  • Sobald du merkst, dass der andere dir nicht mehr zuhört: Mund halten, durchatmen und interessierten Blickkontakt halten. Du wirst staunen, wie präsent du auch ohne Worte sein kannst.
  • Hol dir Unterstützung und lass dich bremsen: Du kannst mit jemandem, der dir wohlgesonnen ist, ein Zeichen vereinbaren, wenn du mal wieder viel redest. Oder einige dich mit der ganzen Gruppe auf Handzeichen, die für alle gelten, wenn mal jemand vom Thema abschweift oder sich wiederholt. In beiden Fällen bekommst du dich Chance, deinen Satz noch zu beenden, ohne schroff unterbrochen zu werden.

Binde deinen Gesprächspartner aktiv ein

  • Leg immer öfter eine Pause: Wenn du gerade redest, beende den Satz, schweige und schau dem anderen auffordernd in die Augen. Damit forderst du deinen Gesprächspartner auf, etwas zu sagen – und lässt gleichzeitig deine Aussage wirken.
  • Stell Fragen: Was hast du verstanden? – Was ist noch unklar? – Was ist dir wichtig? – Wie ist deine Meinung dazu? Wichtig dabei: Frag immer nur, was dich wirklich interessiert, und dann heißt es wieder schweigen. Denn gerade Leute, die schnell denken und es gewohnt sind, viel zu reden, hören meistens nicht richtig zu. Anstatt aufzunehmen, was der andere sagt, setzen sie dann gerne vorschnell was drauf (oder sogar dagegen).

 

Gute Gespräche sind immer ein Dialog: Beide Gesprächspartner bringen ihre Ansichten, Know-how oder auch Vorbehalte ein. Das Allerwichtigste ist jedoch, dass Informationen nur in Maßen ankommen können. Wollen wir gehört werden – gerade, wenn uns etwas besonders wichtig ist – dürfen wir den anderen nicht über-reden.

1 Comment on “

  1. . Wollen wir gehört werden – gerade, wenn uns etwas besonders wichtig ist – dürfen wir den anderen nicht über-reden.
    Großartig!
    Stimmt!
    Vielleicht ergänzend: Nicht verzagen, wenn sich diese Gewohnheit nicht auf Anhieb ändern will. Geduld und Üben zahlen sich aus. Es ist nicht leicht, den roten Faden aus all dem Wissen im Gehirn herauszufitzeln. Doch es sorgt auch für viel mehr eigene Klarheit.
    Viel Erfolg allen!

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